Kunst JETZT! mit Moritz Altmann in der Fröbel-Kinderkrippe Klara-Ziegler-Bogen

Staunen, ausprobieren, entdecken – wenn der kreative Prozess wichtiger ist als das Ergebnis

Wie begegnet man Kunst mit Kindern, die gerade erst beginnen, die Welt zu entdecken? Im Rahmen von Kunst JETZT! entwickelte der Münchner Bildhauer und Keramiker Moritz Altmann gemeinsam mit den Kindern der Fröbel-Kinderkrippe Klara-Ziegler-Bogen einen künstlerischen Erfahrungsraum, in dem Neugier, Zufall und freies Experimentieren im Mittelpunkt standen. Unter dem Motto „Schau mal! Mach mal! Wunder dich!“ wurde das Atelier zu einem Ort, an dem Material, Fantasie und kindliche Ideen die Richtung vorgaben.  

Moritz Altmann arbeitet als Bildhauer, Keramiker und Objektebauer mit unterschiedlichsten Materialien. Für ihn war das Projekt zugleich eine spannende neue Erfahrung: Die Arbeit mit ein- bis dreijährigen Kindern bedeutete, eigene Vorstellungen immer wieder loszulassen und sich ganz auf die Impulse der Kinder einzulassen. Gerade darin lag der besondere Reiz des Projekts.  

Der Weg entsteht beim Tun 

Anstatt fertige Ergebnisse vorzugeben, stellte Altmann Materialien, Werkzeuge und Techniken vor – und beobachtete aufmerksam, wie die Kinder diese auf ihre ganz eigene Weise nutzten. Schnell zeigte sich: Die Kinder interessierten sich weniger für Aufgabenstellungen als für das unmittelbare Ausprobieren. Aus geplanten Gemeinschaftsskulpturen entstanden individuelle Bauwerke aus Playmais, aus Ton wurden Brezeln, Landschaften oder Perlen, und großformatige Zeichnungen entwickelten sich ganz selbstverständlich zu gemeinsamen Kunstlandschaften. 

Ob Reliefs aus Ton und Gips, freies Arbeiten mit Ton oder großformatige Bodenzeichnungen – jede Einheit eröffnete neue Materialerfahrungen. Besonders faszinierte die Kinder das Arbeiten mit Ton und Gips: Sie drückten Gegenstände ein, bauten kleine Landschaften, hinterließen Spuren und beobachteten neugierig, wie aus flüssigem Gips feste Reliefs entstanden. Der Zufall spielte dabei stets eine wichtige Rolle und machte jedes Ergebnis einzigartig.

Pädagogik des Entdeckens 

Das Projekt machte deutlich, dass künstlerische Bildung im Krippenalter vor allem durch sinnliche Erfahrungen entsteht. Die Kinder konnten Materialien mit allen Sinnen erkunden, Entscheidungen selbst treffen und ihren eigenen Ideen folgen. Ob sie bauen, matschen, stempeln, rollen oder einfach experimentieren wollten, bestimmten sie selbst. Genau diese Freiheit stärkte Selbstvertrauen, Kreativität und die Freude am eigenen Tun. 

Moritz Altmann beschreibt die jüngsten Kinder dabei augenzwinkernd als „kleine Egoisten mit großer Sozialkompetenz“ – weniger an Ergebnissen interessiert als am gemeinsamen Prozess. Gerade dieses unmittelbare Erleben eröffnete einen neuen Blick auf Partizipation: Kunst wurde zu einem Raum, in dem jedes Kind seinen eigenen Zugang finden durfte und alle Ausdrucksformen gleichermaßen wertgeschätzt wurden.  

Nachhaltige Impulse für Kinder und Familien 

Auch wenn das Projekt nur wenige Wochen dauerte, hinterließ es bleibende Eindrücke. Die Kinder entwickelten nicht nur ihre feinmotorischen Fähigkeiten weiter, sondern erweiterten auch ihren Wortschatz und erzählten ihren Familien begeistert von den gemeinsamen Kunststunden. Einige führten ihre Eltern stolz zu den entstandenen Werken oder berichteten von den Erlebnissen mit dem Künstler.  

Ein dreijähriges Kind brachte die Begeisterung auf den Punkt: „Komm, Mama, ich zeige dir die Rutsche, die ich zusammen mit Herrn Altmann gebaut habe.“  

Das Projekt zeigte eindrucksvoll, dass Kunst bereits im frühen Kindesalter vor allem eines sein darf: ein offener Raum zum Staunen, Entdecken und Ausprobieren – ohne Leistungsdruck, aber mit unendlich vielen Möglichkeiten. 

Kunst JETZT! und die Zusammenarbeit von Kita und Künstler:innen wird durch den Fröbel e.V. bis Ende 2025 ermöglicht. Unterstützen Sie unsere Projekte langfristig: Als Fördermitglied im Fröbel e.V. tragen Sie dazu bei, Kindern vielfältige kreative Erfahrungen zu ermöglichen.